"6 Kriterien für einen gerechten Krieg"
von Thomas Badtke

Der katholische Theologe Hans Küng, ein Kämpfer wider der Kurie, aber mit dem Papst „außenpolitisch“ einer Meinung, hält einen Krieg Bushs gegen den Irak für „rechtswidrig und unmoralisch“. Für Küng, müssen laut „Spiegel“-Gespräch, sechs Kriterien erfüllt sein, damit ein Krieg theologisch gerechtfertigt ist (für Bush als Gläubigen, sollten diese Kriterien handlungsbestimmend sein, wie die 10 Gebote):

Zuerst muss ein gerechter Grund vorliegen.
Eine vermutete zukünftige Bedrohung rechtfertigt nicht einen Präventivkrieg auf Verdacht. Die Entmachtung Husseins übrigens auch nicht. Man stelle sich einmal vor, dass die Chinesen in 20-30 Jahren dem amerikanischen Präsidenten ein Ultimatum zum Abdanken stellen werden, nur weil sie es waffentechnisch könnten.

Als zweites wird eine ehrliche Absicht gefordert.
Hm, na ja, die Vernichtung von Massenvernichtungswaffen schlösse die amerikanischen sicher mit ein, oder? Die Demokratisierung des Nahen Ostens als „ehrlichen Grund“ anzuführen, grenzt für mich an Blasphemie. Ohne Sie zu nerven, aber Bush wurde nicht demokratisch gewählt. Zusätzlich beschnitt er im Land der Freiheitsstatue die Rechte seiner Bürger, wie kein anderer Präsident vor ihm. Bei 42 vorigen Präsidenten eine große Leistung meiner Meinung nach.

Drittens: die Verhältnismäßigkeit.
Solange sich die amerikanischen Geheimdienste um ein „Abdanken“ Husseins kümmern, scheint das in Ordnung zu gehen. Die Weltöffentlichkeit würde dann nur lesen bzw. hören müssen, dass Saddam Hussein an einer Brezel erstickt ist, oder vielleicht an einem Stück vergiftetem Apfel dahin geschieden sei, ganz friedlich versteht sich. Aber nun einen Krieg mit intelligenten Bomben zu führen, ohne genau zu wissen, wo sich Hussein im Irak aufhält, 250.000 eigene amerikanische Soldaten in einen Krieg zu schicken, um die Rachegelüste des Sohnes zu stillen, dessen Vater beinahe einem Anschlag, damals in Kuwait - initiiert von Saddam Hussein - erlegen war. Ich weiß nicht. George Bush sen. jedenfalls ließ Hussein damals 1991 in “Amt und Würde” um seinen Soldaten ein „Vietnam-Syndrom“ zu ersparen. Vietnam hat er übrigens auch seinem Sohn erspart. Die humanitäre Katastrophe wird ebenso kommen. Bei der UN wird bereits mit Millionen von Flüchtlingen gerechnet. Die Infrastruktur des Irak würde einem Krieg nie stand halten. Die Wasserversorgung der 5-Millionen-Hauptstadt Bagdad würde innerhalb weniger Tage danieder liegen. Einmal ganz abgesehen davon, dass sich die Hilfsorganisationen, ohne amerikanische Hilfe, eigentlich um die wieder einmal drohende Hungerkatastrophe in Afrika, u.a. Äthiopien kümmern sollten, als hinter einem US-Präsidenten die Kollateralschäden wegzuräumen.

Das vierte Kriterium dreht sich um die bevollmächtigte Instanz.
Ein dahergelaufener Ex-Alkoholiker (nicht, dass ich etwas gegen Allalolol hätte) stellt sich vor sein Volk und sagt: „...Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist seiner Verantwortung nicht gerecht geworden, daher werden wir uns zu unserer Verantwortung erheben.. Dies ist nicht eine Frage der Autorität, es ist eine Frage des Willens...“ Den mag ein Trockener Alkoholiker sicherlich haben. Da der Irak innerhalb der letzten 12 Jahre aber niemanden angegriffen hat, im Gegensatz zu den Amerikanern, und derzeit auch keine „unmittelbare“ Bedrohung besteht, kommt als legitimierendes Organ nur der Weltsicherheitsrat in Frage. Aber da die Amerikaner darin keine Zustimmung erhalten hätten, dank der neuen Achse „Paris-Berlin-Moskau-Peking“ (besonders die Unionspolitiker stehen auf diese Achse), erklären sie den Sicherheitsrat und damit auch die Vereinten Nationen für nicht mehr zeitgemäß. Es lebe der alles bestimmende Weltpolizist USA mit einem schießwütigen Texaner an der Spitze, der einen Vaterkomplex hat.

Fünftens: der Krieg ist Ultima ratio, das letzte Mittel.
Na, wenigstens da haben die Amerikaner nicht daneben gegriffen. Immerhin haben sie den UN-Waffeninspekteuren fast 4 Monate Zeit gegeben, ein Land, so groß wie Frankreich (das wissen wir dank der Recherchearbeit der Unions-Spitzenpolitiker) nach Massenvernichtungswaffen zu durchsuchen. Das müsste aber wirklich ausreichend sein, würde ich sagen. Und wer geht schon gern im Sommer in den Irak um Waffen zu suchen? Bei glühender Wüstenhitze? Nein, das kann man den Inspekteuren nun wirklich nicht antun. Dafür haben die USA doch ihre Soldaten. Danke, Herr Bush!

Sechstens: das Internationale Völkerrecht muss eingehalten werden.
Hm, ich weiß nicht, aber da gab es beispielsweise in Afghanistan einige Fälle von Völkermord, wo amerikanische Soldaten zugeschaut oder zum Teil sogar mitgemacht werden sollen. Dazu noch die unmenschlichen Verhältnisse auf Guantanamo Bay. Die Amerikaner scheinen nicht dafür bekannt zu sein, das Völkerrecht zu achten. Aber sie geben anderen immer gern Ratschläge: „.....Kriegsverbrecher werden bestraft werden, und es wird keine Verteidigung sein zu sagen -Ich habe nur Befehle ausgeführt- ...“

Macht also summa summarum sechs nicht erfüllte Kriterien. Aber warum soll sich der Führer der einen „Nation unter Gott“, der Präsident von Gottes Gnaden sozusagen, um derartig Lapidares kümmern? Hat er doch wichtigeres zu tun, wie z.B. die irakischen Soldaten zur Fahnenflucht aufzurufen oder Saddam Hussein ein Ultimatum von 48 Stunden zum Verlassen des Iraks zu stellen (und seinen Söhnen, der Blutrache wegen) oder sich vor sein Volk zu stellen und wortwörtlich zu sagen: „...Zerstören Sie (gemeint sind die Iraker) keine Ölquellen, eine Quelle des Reichtums, die dem irakischen Volk gehört...“ Ich lasse diesen Satz unkommentiert......

Der „Krieg der Willigen“ gegen den Irak wird kommen. Bush hat einen Präzedenzfall geschaffen und auch noch Partner für sein Vorgehen gefunden. Großbritannien, Spanien, Australien, Bulgarien und Polen. Schade nur, dass sich die Bevölkerung der eben erwähnten Länder gegen einen Krieg ausgesprochen hat. Die Demokratie, die Macht der Mehrheit, wird von einigen wenigen mit Füßen getreten. Es bleiben noch wenige Stunden Zeit, um dies zu ändern. Egal wie. Um irgendwelche Regeln brauchen wir uns ja nun nicht mehr zu kümmern. Dank Bush und seinen Kriegstreibern.

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